Motorradmarkt Schweiz: Kaufberatung, Trends und Sicherheitstipps
Marktübersicht und aktuelle Trends
Laut dem Branchenverband Motosuisse sind in der Schweiz über 810'000 motorisierte Zweiräder zugelassen. Der Markt zeigt sich dabei klar geprägt von Occasionsfahrzeugen: Rund 55 Prozent aller Inserate entfallen auf Gebrauchte, während Neufahrzeuge einen Anteil von 44 Prozent aufweisen und Oldtimer lediglich 1 Prozent ausmachen.
Beliebte Marken und regionale Vorlieben
Bei den Occasions dominiert Harley-Davidson mit den Modellen Softail, Sportster und Touring. Als erste Nicht-Harley folgt die BMW R 1200. Auf dem Neufahrzeug-Markt führt die Vespa GTS von Piaggio, gefolgt von der Kawasaki Z900 und der Aprilia RS/RST/RSV. Besonders hoch im Kurs stehen grosse Motorräder mit über 1000 Kubikzentimetern Hubraum, was der hohen Kaufkraft der Schweizer Bevölkerung geschuldet ist.
Die kantonalen Unterschiede fallen stark aus: Während in Aargau und Bern die Kawasaki Z900 besonders häufig inseriert wird, dominiert in Zug und Graubünden die Harley-Davidson Softail. In Genf ist die Yamaha X-Max beliebt, in den Kantonen Zürich, Luzern, St. Gallen, Thurgau und Schaffhausen führt die Vespa GTS.
Entwicklungen nach Fahrzeugtyp und Antrieb
In den letzten drei Jahren vervierfachte sich das Angebot an Supermotos, während das Segment der Touring-Motorräder um 50 Prozent einbrach. Elektromotorräder spielen mit einem Marktanteil von bloss 2,5 Prozent (Stand Mai 2025) weiterhin eine Nischenrolle, Hybridmodelle liegen bei 0,1 Prozent. Der Benzinmotor bleibt mit 94 Prozent die dominierende Antriebsart.
Die Verkaufscharts 2024 werden angeführt von der BMW R 1300 GS, die nach neun Jahren die Yamaha MT-07 als Marktführer ablöste. Weitere Spitzenreiter sind die Yamaha MT-125, die Kawasaki Z900 und die Honda CB750 Hornet.
Kauf und Verkauf von Zweirädern
Neufahrzeuge gegen Occasionen
Für den Kauf eines gebrauchten Motorrads empfehlen sich die Wintermonate, da die Preise dann in der Regel niedriger sind und die Nachfrage geringer ausfällt. Beim Verkauf bieten professionelle Ankaufservices eine unkomplizierte Alternative zum Privatverkauf, wobei Händler Fahrzeuge in allen Zuständen – von gepflegt bis mängelbehaftet – sowie schweizweit abholen.
Finanzierungsmöglichkeiten
Neben dem Barkauf stehen Leasing, Kredit oder Ratenzahlung zur Verfügung. Bei einem Motorradkredit über 60 Monate ohne Anzahlung liegt die effektive Jahreszinsrate theoretisch bei etwa 10,9 Prozent. Viele Händler bieten attraktive Leasingkonditionen, wie beispielsweise Suzuki mit 0,99 Prozent Hit-Leasing oder BMW mit Rabatten bis zu 10'000 Franken auf bestimmte Modelle.
Praktische Checkliste für den Gebrauchtkauf
Vor dem Kauf sollte eine ausgedehnte Probefahrt von mindestens 100 Kilometern unter verschiedenen Bedingungen erfolgen. Dabei ist zu prüfen, ob das Motorrad zur Körpergrösse passt und beide Fersen den Boden berühren. Wichtige technische Kontrollpunkte umfassen:
- Fahrgestellnummer mit Fahrzeugpapieren abgleichen
- Lack und Chrom auf Unfallschäden prüfen
- Bremsbeläge messen (neu ca. 5 mm, unter 1 mm auswechseln)
- Reifenprofil und Laufrichtung kontrollieren
- Kettenspiel und Ritzelverschleiss prüfen
- Motorölfarbe kontrollieren (frisch wie flüssiger Honig)
- Auf bläulichen Dunst im Auspuff achten (Kolbenringe/Ventilschaftdichtungen)
Auch die Verfügbarkeit von zwei Schlüsseln, Bordwerkzeug und die korrekte Eintragung von Tuningteilen in den Fahrzeugpapieren sollten geklärt werden.
Fachhandel und Dienstleistungen
Händlerlandschaft und Markenvielfalt
Das Schweizer Händlernetz umfasst spezialisierte Einzelhandelsbetriebe wie das Triumph Center Eschenbach SG, das seit 2000 als offizieller Partner im Kanton St. Gallen mit zehn Mitarbeitern tätig ist. Das Moto Center Winterthur bietet mit über 1000 verfügbaren Motorrädern, darunter mehr als 700 Occasionen mit Garantie, eine der grössten Auswahlen des Landes. In Seewen präsentiert sich das Moto Center Schwyz AG als Vertragspartner von BMW, Triumph, KTM, GasGas, Piaggio und Vespa.
Werkstatt, Zubehör und Bekleidung
Fachbetriebe bieten umfassende Dienstleistungen von der Wartung bis zur individuellen Anpassung. Moderne Werkstätten verfügen über acht oder mehr Arbeitsplätze für Service, Reparaturen und Umbauten. Das Sortiment reicht von Ersatzteillagern über Pneu-Services bis hin zu Motorrad-Boutiquen für Bekleidung, Helme und Zubehör. Online-Shops wie XLMOTO ermöglichen mit der Fit-My-Bike-Funktion die gezielte Suche nach kompatiblen Teilen anhand von Baujahr und Modell.
Für Fahranfänger stehen spezielle Programme bereit: Das Moto Center Winterthur etwa bietet ein privates Testgelände, auf dem auch unerfahrene Fahrer Probefahrten absolvieren können, während Motorama in Dietfurt neben dem Verkauf auch eine eigene Motorradfahrschule betreibt.
Sicherheit und Fahrtechnik
Zur unfallfreien Motorradsaison gehört die richtige Schutzausrüstung: Helm, Motorradjacke mit Protektoren für Rücken, Schultern und Ellbogen, Handschuhe, Motorradhose mit Knieprotektoren und Motorradstiefel. Auffällige und helle Kleidung erhöht die Sichtbarkeit im Verkehr.
Technisch muss das Fahrzeug einwandfrei sein – Bereifung, Bremsen und Beleuchtung sollten regelmässig kontrolliert werden. Beim Fahren gilt: vorausschauend, partnerschaftlich und defensiv agieren, die Geschwindigkeit an die Umstände anpassen und mit eingeschaltetem Abblendlicht fahren.
In Kurven ist die Geschwindigkeit so zu wählen, dass auf Zug gefahren werden kann. Brems- und Schaltmanöver sollten vor dem Kurveneingang abgeschlossen sein. Der Sicherheitsabstand zum Gegenverkehr und zu Hindernissen am Fahrbahnrand sollte mindestens 50 Zentimeter betragen, wobei die Schwerpunktlinie in der Mitte des eigenen Fahrstreifens bleiben sollte.